Infos, Interviews & Aktuelles

Hier gibt's alle Zusatzinfos zu Climb.Villach und dem King of Kanzi

Da wir uns bis zum nächsten King of Kanzi Kletterfestival aufgrund der aktuellen Umstände noch gedulden müssen, gibt's hier aktuelle Infos zu Klettern in Villach, Videos, Interviews und vieles mehr. Vorfreude pur auf den Sommer und auf Klettern in der Region.

Interview Nico Ferlitsch

Foto by Stefan Köchel

Schon lange kursiert der Name Ferlitsch in der Kärntner Kletterszene. Neben zahlreichen schweren Begehungen rund um den Kanzianiberg, konnte sich der in Hermagor lebende Nachwuchsathlet, bereits mehrere Routen im 11. Schwierigkeitsgrad unter die Fingernägel reißen. Nico zählt zweifelsohne zu den stärksten Felskletterern Österreichs... Doch wie verbringt er die Stunden Daheim? Wie trainiert er und welche Projekte hat er in Aussicht? Wir haben Nico zum Interview gebeten, um etwas mehr über ihn zu erfahren.

Nico, wir befinden uns gerade in einer absoluten Ausnahmesituation. Wie hältst du dich in den eigenen vier Wänden fit? Hast du einen Trainingsraum?
Ich habe Gott sei Dank einen Trainingsraum mit einem Griffbrett, einem Campusboard und einer Boulderwand Zuhause.

Wie oft trainierst du derzeit pro Woche und woran arbeitest du gerade spezifisch?
Im Moment trainiere ich mehr denn je... Bei den Einheiten fokussiere ich mich gerade auf den Aufbau der Maximalkraft, da die Routenlängen meiner zukünftigen Kletter-Projekte eher kurz sind.


Hast du bei deinen aktuellen Trainingseinheiten bereits ein neues Projekt vor Augen? Gibt es eine Route oder ein Projekt, das dich besonders motiviert?
Ja, da habe ich im Moment sehr viele Projekte im Kopf. Einige der Routen sind im Frankenjura - da gibt’s jede Menge kurze und schwere Routen. Auch im spanischen Margalef, in Salzburg und am nahegelegenen Kanzianiberg habe ich Projekte. Besonders motiviert bin ich für First Ley (9a+), Hantillio (9a), Vakuumgeist (9a) und meinem Projekt am Kanzianiberg das vermutlich bei 9a einchecken wird.

Du bist bereits mehrere Routen im 11. Schwierigkeitsgrad (9a) geklettert und zählst damit zu der absoluten Felskletter-Spitze in Österreich. Könntest du dir vorstellen eines Tages vom Klettern zu leben? Profikletterer sein?
Profikletterer zu sein wäre natürlich ein Traum. Aber für mich käme es nur in Frage, wenn dabei auch das Finanzielle stimmt. Sportklettern ist leider keine Goldgrube und ich möchte nicht der „Profi“ sein, der zum Ende des Monats sparen muss.

Gibt es eine Eigenschaft - sportlich bezogen - auf die du besonders stolz bist?
Willensstärke. Außerdem bin ich stolz auf meine Fingerkraft.

Abschließend noch ein kurzer Word-Rap. Kurze und knackige Antworten bitte:
Die coolsten 5 Linien, die du geklettert bist, sind?
Intermezzo XY gelöst (9a) - Plombergstein
Panik (8b) - Kanzianiberg
Phönix aus der Asche (8c) - Kanzianiberg
Sanjski par extension (9a) - Misja pec
Public enemy (8c) – Zigeunerloch

Drei Dinge die einen Klettertag perfekt machen?
Ein schwerer Durchstieg
Gute Bedingungen
Coole Leute um mich herum

Deine drei größten Schwächen sind?
Große Zangen
Nervosität beim Durchstieg
Platten

Das wichtigste im Leben ist?
Gesundheit
Zufriedenheit
Freunde
Familie

Interview: Tobi Ebner, Fotos: Archiv Ferlitsch & Stefan Köchel

Mehr zu Nico Ferlitsch

Interview mit Alex Luger

Paolo Sartori4

Der sympathische Vorarlberger Kletterer, Alpinist und Bergsteiger Alex Luger, ist zweifelsohne ein spannender und inspirierender Charakter in vielerlei Hinsicht. Nicht nur sein Zugang zum Klettersport ist höchst interessant, sondern auch die Art und Weise, in der er seine (Erst)Begehungen absolviert.
Beim diesjährigen King of Kanzi Festival wäre Alex nicht nur als unser Gast dabei gewesen, sondern hätte dort auch unsere Teilnehmer/innen mit einem hochinteressanten Pro- Workshop begeistert. Hätte, wäre.... Warum daraus nichts wurde, wissen wir ja alle. Covid-
19 hat uns auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber es wäre doch gelacht, wenn sich hier keine Lösung finden würde... Dann eben in Form eines kleinen, aber sehr tiefgründigen, Interviews.

Alex, da es gerade nicht möglich ist, große Unternehmungen am Fels zu starten, gilt es sich in den eigenen vier Wänden fit zu halten. Wie trainierst du Zuhause? Hast du eine Boulderwand, oder muss das Griffbrett herhalten?
Nein leider habe ich momentan keine Boulderwand, aber ich habe ein Griffbrett und Turnringe, mit denen ich mich fit halte. Und dann gibt’s da noch die Yogasessions mit Mady auf YouTube, da sind ein paar harte Übungen dabei.

Wie oft trainierst du derzeit pro Woche und woran arbeitest du gerade spezifisch?
Ich habe mich im Jänner beim Training am Ringfinger verletzt und kann jetzt noch keine Leisten herknallen, weshalb ich mich auf allgemeine Kräftigungsübungen /Einheiten konzentriere. Hauptaugenmerk dabei ist Corestrenght und Flexibilität /Beweglichkeit/ und obere Flexoren (verschiedene Pull-ups Übungen an Großen griffen/Ringe) . Ich würde sagen solche Einheiten mache ich 3-4 mal pro Woche. An der relevanten Beweglichkeit versuche ich täglich zu arbeiten und der Spaziergang an der frischen Luft ist obligatorisch.

„ . . .In dem einen Moment zu sein. Der Idealzustand . . .“

Hast du bei deinen aktuellen Trainingseinheiten bereits ein neues Projekt vor Augen? Gibt es eine Route, eine Wand oder einen Berg, der dich besonders antreibt, hart zu arbeiten?
Ja ich habe da eine ganz bestimmte Tour im Auge, nämlich die Erstbegehung The Seventh Direction im Rätikon, die ich 2018 abschließen konnte und jetzt auf eine freie Eintagesbegehung wartet, meine schwertse Erstbegeung bis dato.

„ . . . weshalb ich der Meinung bin, dass es kein ‚Wichtiger oder Unwichtiger‘ beim Klettern gibt. Oberste Prämisse ist natürlich der Respekt vor der Natur und ihrer endlichen Ressource Fels. . . „

Wenn man die Liste deiner Begehungen etwas genauer betrachtet, blitzen Namen wie Prinzip Hoffnung (8b/+ E9-E10), Psychogramm (8b+) oder The Gift (8c) hervor. Wer sich ein bisschen mit Klettern beschäftig, wird diese Namen kennen und auch wissen, dass es sich dabei um knallharte Trad-Begehungen handelt.
Doch auch beim Sportklettern konntest du dir Routen wie Missing Link (8c+/9a) oder
Atlantic (8c+) unter die Fingernägel reißen. Mir scheint, du lebst alle Spielarten des Vertikalen Sports voll aus, oder liege ich falsch?
Du beschreibst schon sehr treffend in deiner Fragestellung, wie vielseitig das Klettern ist. Ich möchte einen anderen Aspekt beleuchten. Nicht nur in der Tätigkeit selbst sondern auch in der persönlichen Wertigkeit liegt die Vielseitigkeit. Den Zugang zum Klettern meine ich. Wertfrei gesprochen ist für manche das Klettern eine sportliche Tätigkeit zum Ausgleich vom Berufs - und Familienleben. Andere wiederum quatschen was von Lebenseinstellungen und
laufen schnell Gefahr zu viel Philpsopie und Ethik in eine Tätigkeit zu legen. Richtig und Falsch
sind ja im soziologischen Kontext schon so komplexe Fragestellungen, die immer nur von sehr spezifischen Blickpunkten eine Teilantwort ermöglichen, weshalb ich der Meinung bin, dass
es kein ‚Wichtiger oder Unwichtiger‘ beim Klettern gibt. Oberste Prämisse ist natürlich der Respekt vor der Natur und ihrer endlichen Ressource Fels. So hat für mich der Schwierigkeitsjäger und der existenzielle Kletter Philosoph seine Daseinsberechtigung.
Ich liebe die Vielseitigkeit, die das Klettern während den Jahreszeiten bietet und ich schätze auch die zwischenmenschlichen Aspekte beim Klettern und nona auch die individuellen Prozesse, die immer wieder zu neue Erfahrungen führen. Nur um meine Gedanken an einem persönlichen Beispiel zu verdeutlichen ist das Klettern für mich nach 20 Jahren bedeutender, als in meiner Sturm und Drang Phase in der mein Universum nur aus Klettern bestand. Ich denke je breiter der Mensch sein Leben wahrnehmen kann und offenbleibt, desto mehr können sich die verschiedenen Lebensbereiche befruchten und somit Hilfesteller in Problemen weit ab vom Klettern werden.

„ . . . Nehmt den Müll, den die Menschen in der Natur vergessen, bitte wieder mit . . .“

Gibt es eine Eigenschaft - sportlich bezogen - auf die du besonders stolz bist?
In dem einen Moment zu sein. Der Idealzustand. Zum Besipiel Angst, sie kann nur vor oder nach (zeitlich gesprochen) einer physisch oder psychisch bedrohlichen Situation einen Platz einnehmen. In dem spezifischen Moment des Handels hat sie keinen Platz.


Zum Abschluss würde ich dich gerne um einen kleinen „Word-Rap“ bitten.
Du weißt ja, kurze und knackige Antworten... Let‘s go!


- Mate y Porro, North Pillar Fitz Roy
- Sangre de Toro, Rote Wand
- Femme Blanche, Ceüse
- Sacred Cow, Indian Creek
- Stourranibi, Okksen Lyngen Alps

Drei Dinge die einen Klettertag perfekt machen?
- Zugang zur Kraft
- Freunde
- ein guter Fight

Deine drei größten Schwächen sind?
- bin beim Alpinklettern sehr ungeduldig, alles muss schnell gehen
- Dächer
- Claudia sagt mehr habe ich nicht?! Ich denke sie will noch irgendwas von mir!?

Das wichtigste im Leben ist?
Puh, was für eine Frage... Autentizität vielleicht?

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp / Ratschlag für alle Kletterer/innen da draußen? Egal ob Hobby oder Profi... Was willst du ihnen mit auf den Weg geben?
Nehmt den Müll, den die Menschen in der Natur vergessen bitte wieder mit. Vollkommen egal auf welchem Schwierigkeitsniveau ihr euch bewegt, schmälert eure Erlebnis nicht indem ihr den Charakter einer Route verändert. Wenn ihr euch den Gegebenheiten einer Route anpasst besteht vielleicht die Chance auf eine wertvolle und andauernde Erfahrung versus einem Fastfood Menü, dass schnell vergessen ist.

Danke Alex, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast. Ich glaube aus deinen Antworten können viele unserer Leser/innen auch etwas für ihr persönliches (Kletter)Leben mitnehmen. Bleib Gsund, viel Spaß beim Training Daheim und hoffentlich bald bei deinen Abenteuern in der Natur!

Interview: Tobi Ebner, Fotos: Paolo Sartori

Mehr zu Alex Luger

Interview mit Thomas Huber

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Die aktuelle Situation, macht leider auch unserem Festival - dem King of Kanzi - einen Strich durch die Rechnung. Leider fällt dadurch auch ein ganz besonderes Vortrags-Highlight aus. Die Rede ist vom sympathischen Berchtesgadener Ausnahme-Alpinisten Thomas Huber, der uns mit seiner bildgewaltigen Multivision-Show „STEIN ZEIT“ begeistert hätte.

Auch er wurde mit scheinbar unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert. Zwar handelt es sich dabei um keine Pandemie, sondern um die härtesten, schwierigsten und herausforderndsten Kletterrouten unseres Planeten.
Gemeinsam mit seinem Bruder Alexander, bildet er seit Jahrzehnten eine der bekanntesten und erfolgreichsten Seilschaften der Klettergeschichte – die Huberbuam.

Doch auch an den großen Bergen der Welt, hinterließ Thomas seine Fußspuren. Unter anderem konnte er die Erstbegehung von „Shiva’s Line“ (Shivling, 6543m), die Erstbesteigung des Ogre III (6870m), sowie die hart umkämpfte zweite Besteigung des Ogre (7285m) realisieren. Für seine Leistung am Shivling wurde Thomas im Jahr 2001 mit dem renommierten Piolet d´Or ausgezeichnet! „... außergewöhnliche Situationen, erfordern außergewöhnliche Maßnahmen...“so hieß es bei einer Pressekonferenz der Bundesregierung.

Wie verbringt Thomas die Stunden Daheim? Hat er bereits neue Projekte ins Auge gefasst, auf die er sich fokussiert und vorbereitet? All das, haben wir ihn in einem kurzen, aber sehr spannenden Interview gefragt!


Thomas, du hast in deinen eigenen vier Wänden ja ein wahres Trainingsparadies. Bist du derzeit besonders viel dort, oder wie verbringst du die Zeit daheim?
Das stimmt, ich habe den perfekten Trainingsraum in meinen eigenen 4 Wänden und dieses Glück weiß ich jetzt in dieser schwierigen Zeit zu schätzen. Ich trainiere viel zu Hause, gehe aber hin und wieder auch nach draußen Berglaufen oder Bouldern - natürlich alles ohne Risiko und alleine!

Hast du bei deinen aktuellen Trainingseinheiten bereits ein neues Projekt vor Augen? Gibt es eine Route oder einen Berg, der dich besonders antreibt?
Ich trainiere im Moment, um einfach wieder stark Klettern zu können und ich glaube es ist noch die Zeit, sich fokussiert auf ein Projekt vorzubereiten. Allerdings ist das wichtigste Projekt im Moment, diese Krise in allen Bereichen gut zu bewältigen und dabei gesund und finanziell abgesichert zu sein. Wenn das geschafft ist, dann geht’s wieder zurück ins Abenteuer!

Du gehörst zu den ganz großen Pionieren der Klettergeschicht... Vom Yosemite Valley bis nach Baffin Island hast du – gemeinsam mit deinem Bruder Alexander –Spuren für die Ewigkeit hinterlassen. War es schon immer dein Traum Profikletterer/Bergsteiger zu werden? Oder bist du da mehr oder weniger hineingerutscht?
Es ist der Traum eines jeden Kletterers - der für den Sport brennt – von dem leben zu können, was man am liebsten macht. Aber für uns war es immer eine Illusion und wir sind da hineingeschlittert. Durch die Vorträge haben wir aber sehr schnell erkannt, dass es eine gute Art ist, sein Geld zu verdienen. Um die Vorträge mit Leben zu füllen, muss man in Abenteuern unterwegs sein…. was soviel heißt, dass wir dadurch Profibergsteiger wurden!

Auf welche Eigenschaft von dir bist du besonders stolz, bzw. auf welche weniger?
Meine Begeisterungsfähigkeit und Zielstrebigkeit. Aber das kann auch ins Negative umschlagen, weil ich nicht loslassen und dadurch manchmal zu verbissen sein kann.

Abschließend noch ein kurzer Word-Rap:

1) Die coolsten 5 Linien, die du geklettert bist, sind?
Dolphins ( Schleier), End of Silence, Stoneage, Eternal Flame, El Niño

2) Drei Dinge die einen Klettertag perfekt machen?
Ausgeruhte Arme, perfekter Gripp, eine coole Klettergemeinschaft!

3) Deine drei größten Schwächen sind?
• Ich esse zu gerne und trinke Bier = Kontraproduktiv zur relativen Kraft.
• Athletische Kletterei
• Rechtschreibung

4) Das wichtigste im Leben ist?
Mit dem was man ist und was man tut glücklich zu sein!

Interview: Tobi Ebner, Fotos: Archiv Thomas Huber
Interview: Tobi Ebner, Fotos: Paolo Sartori